Heidenheimer GEW und Andreas Stoch für Referendariat in Teilzeit

Veröffentlicht am 09.12.2016 in Landtagsfraktion

„Jegliche Unterstützung, die den Lehranwärtern ihre Ausbildung erleichtert, unterstützt die GEW vollstens“, hält Volker Spellenberg, Vorsitzender der GEW Heidenheim und Vorstandsmitglied des GEW-Kreises Ostwürttemberg die Einführung der Teilzeit für Referendare im Lehramt für angebracht. „In Anbetracht voller Klassen, immens gestiegener Anforderungen, bei denen das reine Unterrichten immer kürzer kommt, wird es für immer mehr junge Menschen unattraktiv, Lehrer zu werden. Dazu gehört auch ein Vorbereitungsdienst mit dem sich Familie, Beruf und Pflege in Einklang bringen lassen. Um einer Katastrophe der Lehrerknappheit in naher Zukunft zu entgehen, muss die Politik umdenken und Ausbildung, Entlohnung und Arbeitsbedingungen des Lehrerberufs derart gestalten, dass Unterrichtsausfälle nicht noch mehr oder sogar bald an der Tagesordnung sein werden", so Spellenberg.

Auch der Heidenheimer SPD-Landtagsabgeordnete und frühere Kultusminister Andreas Stoch und seine Fraktion schließen sich dieser Meinung an und haben deswegen in einem Parlamentarischen Antrag gefordert, für angehende Lehrerinnen und Lehrer das Referendariat in Teilzeit zu ermöglichen. „Wir wollen den Vorbereitungsdienst so ausgestalten, dass junge Menschen ihren Beruf mit Familie und der Pflege von Angehörigen vereinbaren können“, begründet Stoch die Initiative seiner Fraktion. Er verweist darauf, dass Baden-Württemberg in diesem Bereich anderen Bundesländern hinterherhinke. In sechs von 16 Bundesländern seien Regelungen geplant oder bereits umgesetzt, die Referendariate in Teilzeitarbeit möglich machten. „Die Kultusministerin muss das Rad nicht neu erfinden, sondern kann sich inhaltlich an geeigneten Modellen in anderen Bundesländern orientieren“, verlangt Stoch. Junge Menschen, die selbst gehandicapt oder in irgendeiner Form in familiäre Pflichten eingebunden seien – egal ob als Eltern oder als Unterstützer von pflegebedürftigen Angehörigen – hätten heute größte Probleme, den Vorbereitungsdienst mit einem guten Ergebnis zu absolvieren. Das Teilzeitreferendariat könnte hier Abhilfe schaffen. „Aus vielen Gesprächen mit jungen Lehrkräften und Referendaren weiß ich, dass Studieren mit Kind schon schwierig ist, aber Vorbereitungsdienst mit Kind ist fast gar nicht unter einen Hut zu bekommen“, so Stoch.

In der zum Antrag der SPD durchgeführten Debatte im Stuttgarter Landtag äußerten sich zwar alle Parteien grundsätzlich aufgeschlossen, um eine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf auch für Referendare zu ermöglichen. Dennoch stimmten die Fraktionen dem SPD-Antrag unverständlicher Weise nicht zu. So bezweifeln die Grünen, dass eine sinnvolle Bewältigung des Referendariats in Teilzeit möglich ist, und verweisen darauf, dass es bereits ausreichend Möglichkeiten für eine Verlängerung oder Entzerrung gebe. Die AfD befürchtet den Missbrauch des Beamtenstatus und sieht keinen Bedarf an einer Teilzeitregelung. CDU und FDP schließen sie sich der Sorge von Kultusministerin Eisenmann an, dass der prüfungsrechtliche Grundsatz auf Chancengleichheit und die Qualität der Ausbildung „tangiert“ werden könnten. Bisher bestehe wenig Bedarf für Teilzeitmodelle im Vorbereitungsdienst. Eisenmann kündigte eine Prüfung in Zusammenarbeit mit den betroffenen Ressorts an. „Damit werden einmal mehr wichtige Verbesserungen in unserem Bildungssystem verschleppt“, kritisiert Andreas Stoch die Ablehnung des SPD-Antrags.

 

 
 

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