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Corona, Ortskern, Breitband-Ärger

07.07.2020
Hermaringen

Bürgermeister Jürgen Mailänder und Andreas Stoch im Austausch

Im Zuge der Corona-Krise will der Staat auch die Kommunen unterstützen. Doch wo klemmt der Schuh bei kleinen Gemeinden? In Hermaringen, so wurde bei einem Besuch des SPD-Landtagsabgeordneten Andreas Stoch klar, gibt es gänzlich andere Themen als in größeren Städten.

„Was Corona angeht, hoffen wir, finanziell mit einem blauen Auge davon zu kommen“: Schon diesen Satz von Hermaringens Bürgermeister Jürgen Mailänder könnte man derzeit in kaum einer größeren Kommune in Baden-Württemberg hören. Grund genug für den SPD-Landtagsabgeordneten, sich im Zuge der Debatten um kommunale Hilfen des Landes nicht nur in Großstädten, sondern eben auch in kleineren Gemeinden umzuhören. Beim Besuch in Hermaringen kam Stoch dabei außer mit Bürgermeister Mailänder auch mit den Gemeinderatsmitgliedern Ute Kölbel, Robert Schmid, Martin Gansloser und Hans-Peter Diebold zusammen.

Und auch wenn Corona die Hermaringer Wirtschaft ebenso wenig ruiniert wie die Gemeindekasse, zu tun gibt es im Ort genug. „Ohne massive Hilfen vom Land wären die Vorhaben in der Gemeinde nicht drin“, so Mailänder: Allein in den vergangenen Jahren flossen fast 3,8 Millionen Euro in die Gemeinde, in der laufenden Förderperiode sind es 900 000 Euro. „Aktuell geht die zweithöchste Summe im Kreis in die kleinste Gemeinde“, so Stoch: „Da wird alles richtig gemacht“.

Damit es auch weiter in die richtige Richtung geht, wünscht man sich in Hermaringen vor allem gezielte Hilfen: „Wir gehen jetzt den nächsten Bauabschnitt am Bahnhof an, und wir müssen überlegen, was wir mit dem alten Schulhaus machen“, so Gemeinderat Hans-Peter Diebold. Könnte man nicht die Einrichtung von öffentlichen Orten der Begegnung stärker fördern? „Das Land will vor allem verhindern, dass die kommunalen Investitionen einbrechen. Und die sind in kleinen Orten ganz anders gestrickt“, so Stoch. In Hermaringen geht es vor allem auch um das Wohnen im Ort. Immer neue Neubaugebiete am Ortsrand sollen nicht die einzige Lösung sein, doch beim neuen Wohnen im Ortskern müssten die Privatbesitzer weit stärker eingebunden werden. „Da ist der Aufwand bei Förderungen zu hoch, man sollte die Richtlinien straffen, dann aber auch zügiger vorgehen“, so Mailänder. Zudem seien die derzeit nur 15 Prozent Zuschuss, die man zum Beispiel für den Umbau alter Hofstellen in Ortskernen erhalte, etwas dürftig.

Spezielle Sorgen haben kleine Gemeinden auch auf anderen Gebieten: „Ob es um Ärzte oder Bäcker geht, das zählt für mich zur Daseinsvorsorge vor Ort“, so Mailänder, der einen speziellen Fördertopf für kleine Kommunen anregt. Ähnlichen Sonderbedarf meldete Gemeinderat Robert Schmid beim Breitbandausbau an: „Ohne besondere finanzielle Anreize kommen wir da nicht weiter“, so Schmid. Völlig daneben sei, dass die Gemeinde dank eines Verbotes öffentlicher Leistung nicht einmal selbst für den Ausbau sorgen dürfe. Schmid: „Wenn das früher schon so gewesen wäre, gäbe es in Allewind heute noch kein Telefon“. Stoch stimmt dem zu: „Der Markt richtet es eben nicht in kleinen Kommunen. Wir können die Leute dort aber nicht so benachteiligen“.

Mehr staatliche Hilfe könnte man sich in Hermaringen auch bei der Kita-Betreuung vorstellen: Schon jetzt kommen selbst Kinder aus Giengen in den Ort, für deutlich mehr Angebot müsste man nachlegen. Und Gemeinderat Hans-Peter Diebold blickt in die Zeit nach der Wiedereröffnung der B 492: „Der Lärmschutz auf der Brücke der Umgehung darf nicht von der Liste“. Andreas Stoch bat um Geduld und Hoffnung gleichermaßen: „Ich bin bei solchen Dingen ganz schön stur, das hat anderswo auch schon geholfen“. Bei den Beratungen über Hilfen für die Kommunen im Südwesten will der Abgeordnete auch die Belange aus Hermaringen einbringen: „Zumal andere Orte dieser Größe eben ganz ähnliche Interessen haben“.