Also gut, wieder eine Umfrage, und wieder mal sieht es für die SPD gar nicht so gut aus. Das ist nicht schön, das macht keinen Mut, aber vor allem ist es Anlass für die Medien, ihre Berichterstattung ein weiteres Mal in den Wind zu drehen. Was wollen die Grünen? Was sagt die CDU? Das wird berichtet. Wofür steht die SPD? Das geht unter, da wird nur noch kommentiert, wie schlecht es in den Umfragen aussieht.
Die SPD hat ein Markenproblem, überall in Deutschland. Regierungsfähig und koalitionswillig wie keine andere Partei, immer pragmatisch, immer zu Kompromissen bereit. Und dieses Markenproblem bekommt eine bizarre Eigendynamik: Seit ich Politik mache, schreiben Medien über den Niedergang der SPD, und ich möchte gar nicht wissen, wie viel von diesem Niedergang auch einfach herbeigeschrieben wurde. Von Altlinken, die von Gerhard Schröders Agenda-Politik entsetzt waren, von durchaus wohlmeinenden Menschen, die von der SPD immer ganz besonders viel erwarten und deswegen auch immer ganz besonders enttäuscht sind.
Warum ich trotzdem Wahlkampf mache? Sogar mit Zuversicht? Weil Umfragen nicht alles sind. Wären Umfragen Wahlen, dann dürfte die SPD keine Bürgermeisterwahlen gewinnen, keine Bürgermeisterinnen und Oberbürgermeister stellen im Land, keine größten Fraktionen in Gemeinderäten. Tut sie aber. Ganz schön oft, sogar.
Ach so, das sind Persönlichkeitswahlen? Da geht es um die Köpfe, um die Kandidierenden? Ja, stimmt genau – und bei einer Landtagswahl ist das eben ganz genauso. Wir haben 70 Kandidatinnen und Kandidaten, sehr viel von ihnen haben sich in ihren Wahlkreisen schon lange und bestens bewährt. Und das wird auch auf die Zweitstimmen abfärben, denn zum ersten Mal haben wir Zweitstimmen bei dieser Wahl. Und es ist auch klar: Diese Zweitstimmen werden entscheiden, wie stark die SPD im nächsten Landtag ist. Das wird in Umfragen natürlich nicht behandelt. Umso weniger haben sie mit der Wahl zu tun.
Also: Widmen wir uns dem Wahlkampf und dem, was wir für Baden-Württemberg wollen. Unser Land braucht die SPD, um Antworten auf die wichtigen Fragen im Land zu finden. Und nein, die Umfragen sind nicht die wichtigsten Fragen im Land.
