Autor: Andreas Stoch

Von der Hitze eiskalt erwischt

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Von der Hitze eiskalt erwischt

Wenn wir nur alle so leicht erfinden würden wie neue Wörter. Vielleicht habt Ihr schon von „Coolcation“ gehört, der „Cool Vacation“, also einem Urlaub, den man bewusst nicht im Süden, sondern im Norden macht. Wer in Mannheim unter 40 Grad Hitze ächzt, sehnt sich nach 19 Grad an einem Fjord in Norwegen.

Nun machen trotz der Rekordhitze zuhause viele Leute trotzdem Urlaub am Mittelmeer (ich auch), und das gerne. Und 35 Grad fühlen sich in Spanien oder Griechenland nicht nur deswegen besser an, weil man dort nicht arbeiten muss. Im Süden sind sie einfach besser auf Hitze vorbereitet. Die Städte haben schmale, schattige Gassen, die Häuser haben dicke Steinmauern, auf den Plätzen sitzt man unter Bäumen oder Pergolen. Und nicht nur Privatwohnungen, sondern eben vor allem Krankenhäuser, Pflegeheime oder Schulen sind klimatisiert.

Den menschengemachten Klimawandel zu bremsen, ist für uns alle eine Lebensaufgabe. Aber wir sehen auch: heißer ist es schon jetzt geworden. Darauf müssen wir jetzt reagieren – und tun das noch kaum.

In meinem Heimatkreis auf der Ostalb haben bisher kaum ein Zehntel der Städte und Gemeinden konkrete Schritte für einen besseren Hitzeschutz oder Aktionspläne bei Hitzewellen unternommen. Wenn wir auch auf über 500 Metern Höhe immer mehr Hitzetage erleben, kann das nicht so bleiben. Und noch schlimmer: Eine Anfrage der SPD-Fraktion beweist, dass die Landesregierung aus Grünen und CDU von der Hitze eiskalt erwischt wird: Es gibt keine großen Programme, keine Standards für Krankenhäuser oder Pflegeheime, keine nennenswerte Förderung. Die Landesregierung hat nicht einmal einen Überblick, wer wo was unternimmt. Wieder mal sollen es die Kommunen richten – als ob die nicht schon am Ende ihrer Kräfte wären. Der Effekt ist schlimm: Von den 1100 Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg haben bislang kaum 40 auch ausreichende Pläne für mehr Hitzeschutz. Und diese Pläne müssen noch nicht einmal umgesetzt sein.

Bis Anfang August sind in Deutschland diesen Sommer über 12.000 zumeist ältere und geschwächte Menschen an den Folgen der Hitze gestorben, sagt das Robert-Koch-Institut. Und ja, als dieses Institut in der Corona-Pandemie mit solchen Berechnungen von sich reden machte, hat der Staat Schulen, Grenzen und Läden geschlossen, Familienbesuche verboten. Jetzt wird nicht einmal laut über Klimaanlagen in Krankenhäusern nachgedacht. Und es werden weitere neue Schulen und neue Pflegeheime ohne Kühlung genehmigt.

Hilfe bei Hitze gibt es auf verschiedenste Weise: Wir reden von besserem Städtebau mit mehr Begrünung und Schatten, aber auch von Hitzeaktionsplänen, kühlen Aufenthaltsorten, technischer Ausstattung, besserer Beratung. Einiges kostet Geld, anderes nur guten Willen. Es gibt viele Möglichkeiten, bei Hitze Linderung zu schaffen. Doch wie so oft schaut die Landesregierung einfach zu und bekommt die Hände nicht aus den Taschen.

Vorausgedacht wird schon zweimal nicht. Zur immensen Hitze kann heute auch enorme Dürre kommen. Beides wird gerne verwechselt, aber Klimaanlagen schaffen keinen Regen. Müssten wir irgendwann Zisternen bauen, damit Landwirten im Sommer nicht die Ernte vertrocknet? Wo müssten wir sie bauen? Wie sollen wir sie bezahlen? Aus den gut gekühlten Büros der Landesregierung habe ich dazu noch nichts gehört.

Hitzeschutz (und die Vorsorge gegen Dürre) ist eine gemeinsame Aufgabe aller staatliche Ebenen – und diese Aufgabe muss eine Regierung planen, koordinieren und finanzieren. Nicht nur, wenn die Rekordtemperaturen gerade Schlagzeilen machen. Wir brauchen verbindliche Hitzeschutzstandards für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, auch für Kitas und Schulen. Und unsere Städte und Gemeinden brauchen dazu vom Land gute Vorschläge, machbare Lösungen und vor allem das nötige Geld. Heiße Luft haben wir genug im Land.

Reformen, Reflexe, Rechnen

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Reformen, Reflexe, Rechnen

Im Wahlkampf hört man ja auch zu. Und was ich immer wieder höre ist die Frage, ob sich die aktuellen Probleme dieses Landes mit der aktuellen Politik denn überhaupt lösen lassen. Nein, da geht es meist nicht um pauschales Parteienbashing. Den Leuten fallen politische Mechanismen auf, die man nicht in Abrede stellen kann. „Alle sagen doch, dass wir Reformen brauchen“, sagen sie mir: „Aber wenn eine Partei einen Vorschlag bringt, dann ist die andere Partei sofort dagegen. Sogar innerhalb der Koalition im Bund.“

Da ist was dran. Aber warum ist das so? Weiterlesen

Wir brauchen keinen Symbolminister

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Wir brauchen keinen Symbolminister

Stellt Euch mal diese Geschichte vor: Darija aus der Ukraine ist nach Deutschland geflohen. Hat hier einen Integrationskurs gemacht, Deutsch gelernt, Grundlagen dieses Landes verstanden. Dann hat sie ein paar Jahre hier gearbeitet, Steuern bezahlt – und dann, als es in ihrer Heimatstadt wieder friedlich ist, kehrt sie in die Ukraine zurück. Wer hat davor Angst?

Alexander Dobrindt hat davor Angst, offensichtlich. Denn der Bundesinnenminister von der CSU will jetzt dafür sorgen, dass die (vom Staat bezahlten) Integrationskurse drastisch eingeschränkt werden. Keine Kurse mehr für Asylbewerber, nicht für Geduldete, nicht für Geflüchtete aus der Ukraine, auch nicht für Menschen aus anderen EU-Ländern. Allein in diesem Jahr sind über 130 000 Menschen betroffen. Weiterlesen

Das Blaue. Vom Himmel.

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Das Blaue. Vom Himmel.

Habe ich schon mal erzählt, dass die SPD die Steuern für Reiche senken will? Oder dass die SPD eine dreigliedrige Grundschule einführen wird, damit man Kinder schon mit fünf Jahren sauber in Schulkarrieren selektieren kann? Nein, habe ich nicht, denn das will die SPD ja auch gar nicht. Und das wird es mit der SPD nie geben. Also warum sollte ich solche Ansagen machen?

Weil andere das im Wahlkampf auch so machen, habe ich gehört. Und das stimmt wiederum, leider.

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, aber zumindest bisher ist der Landtagswahlkampf noch nicht schmutzig geworden. Das bedeutet nicht, dass alles prima und fair ist. Ich habe oft genug gesagt, dass ich es für falsch halte, wenn Medien eine Wahl mit vielen Parteien und Kandidierenden von vornherein zu einem „Zweikampf“ erklären und nur noch ausgewählte Spitzenkandidaten voll ausleuchten wollen. Aber das haben nicht die Mitbewerber bei dieser Wahl zu verantworten – auch wenn es zwei Mitbewerbern sehr gelegen kommt.

Nein, ich staune an anderer Stelle. Der Umgang mit der Wahrheit war in der Politik schon immer etwas geschmeidig, wenn man in den Wahlkampf kam. Aber in den vergangenen fünf Jahren ist er doch noch viel, viel geschmeidiger geworden.

Da haben wir den Kollegen Cem Özdemir, der ja eigentlich bei den Grünen ist. Das soll aber möglichst keiner merken. Seine Plakate sind schwarz, die Partei kann man nicht erkennen. Er schimpft auf die Grünen, die bei der EU das Handelsabkommen mit dem Mercosur torpediert haben. Er sagt, Problemwölfe müsse man abschießen, und weil Wahlkampf ist, schießt man beinahe sogar Wölfe ab, die gar keine Problemwölfe sind. Grün? Wir? Im Leben nicht! Dass er nach der Wahl aber nicht mit einem Bündnis Cem Özdemir oder der Schwarze-Plakat-Partei, sondern eben mit den Grünen arbeiten muss, geht irgendwie unter. Schlimmer, es soll wohl untergehen.

Auch Manuel Hagel kann sich nur bedingt daran erinnern, in welcher Partei er ist. Zunächst mal verspricht er einen Neuanfang, so als sei die CDU in Baden-Württemberg zehn Jahre in der Opposition gewesen statt in der Regierung. Für ein gebührenfreies Kita-Jahr ist er offen und er will einen Transformationsfonds des Landes und Innovationsregionen und alles klingt prima und fast wie aus meinem Zukunftsplan. Nur – war es nicht die CDU, die alle diese Vorschläge zehn Jahre lang vehement abgelehnt hat?

Waren es nicht Grüne und CDU, die zehn Jahre lang nie die Hände aus den Hosentaschen nahmen? Die Geld nicht einmal in den wirklich guten Jahren ausgeben wollten? Die der SPD bei allen Vorschlägen für dringende Investitionen immer den Vogel zeigten? Jetzt im Wahlkampf hört man plötzlich nichts mehr von schwarzen Nullen, da soll endlich angepackt werden im Land. Genau von denen, die zehn Jahre lang rein gar nichts anpacken wollten?

Auch andere Parteien irrlichtern. Die FDP schließt jeden Tag neue und andere Regierungsbeteiligungen mit demokratischen Parteien aus, während noch nicht einmal klar ist, ob die Partei es überhaupt noch einmal in den Landtag schafft. Die Linkspartei will verstaatlichte Autofirmen und die Enteignung von Wohnungseigentümern, wofür Baden-Württemberg aber erstmal eine Volksrepublik werden müsste. Und die AfD muss offensichtlich sowieso keine Politik mehr anbieten, sie muss nur noch existieren, um bestimmte Stimmen zu bekommen. Und sie existiert, leider.

Zurück zum Anfang: Soll ich im Wahlkampf auch so geschmeidig werden wie die beiden von den Medien erkorenen Zweikämpfer? Soll ich auch anfangen, Dinge zu versprechen, die die SPD nicht hält und gar nicht halten will?

Nein, da ist Ende Gelände. Bei mir, und auch bei uns allen in der SPD. Wir wollen das nicht und wir können es nicht. Und wir haben auch gar keine Zeit, das Blaue vom Himmel zu versprechen, denn wir haben sehr viel über das zu sagen, was wir wirklich wollen und auch wirklich bewegen werden, wenn wir in Regierungsverantwortung kommen. Das ist eine ganze Menge, und wir müssen es noch vielen Leuten sagen. Danke allen, die dabei helfen!

Umfragt mich mal was anderes

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Umfragt mich mal was anderes

Also gut, wieder eine Umfrage, und wieder mal sieht es für die SPD gar nicht so gut aus. Das ist nicht schön, das macht keinen Mut, aber vor allem ist es Anlass für die Medien, ihre Berichterstattung ein weiteres Mal in den Wind zu drehen. Was wollen die Grünen? Was sagt die CDU? Das wird berichtet. Wofür steht die SPD? Das geht unter, da wird nur noch kommentiert, wie schlecht es in den Umfragen aussieht. Weiterlesen