Hagel

Das Blaue. Vom Himmel.

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Das Blaue. Vom Himmel.

Habe ich schon mal erzählt, dass die SPD die Steuern für Reiche senken will? Oder dass die SPD eine dreigliedrige Grundschule einführen wird, damit man Kinder schon mit fünf Jahren sauber in Schulkarrieren selektieren kann? Nein, habe ich nicht, denn das will die SPD ja auch gar nicht. Und das wird es mit der SPD nie geben. Also warum sollte ich solche Ansagen machen?

Weil andere das im Wahlkampf auch so machen, habe ich gehört. Und das stimmt wiederum, leider.

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, aber zumindest bisher ist der Landtagswahlkampf noch nicht schmutzig geworden. Das bedeutet nicht, dass alles prima und fair ist. Ich habe oft genug gesagt, dass ich es für falsch halte, wenn Medien eine Wahl mit vielen Parteien und Kandidierenden von vornherein zu einem „Zweikampf“ erklären und nur noch ausgewählte Spitzenkandidaten voll ausleuchten wollen. Aber das haben nicht die Mitbewerber bei dieser Wahl zu verantworten – auch wenn es zwei Mitbewerbern sehr gelegen kommt.

Nein, ich staune an anderer Stelle. Der Umgang mit der Wahrheit war in der Politik schon immer etwas geschmeidig, wenn man in den Wahlkampf kam. Aber in den vergangenen fünf Jahren ist er doch noch viel, viel geschmeidiger geworden.

Da haben wir den Kollegen Cem Özdemir, der ja eigentlich bei den Grünen ist. Das soll aber möglichst keiner merken. Seine Plakate sind schwarz, die Partei kann man nicht erkennen. Er schimpft auf die Grünen, die bei der EU das Handelsabkommen mit dem Mercosur torpediert haben. Er sagt, Problemwölfe müsse man abschießen, und weil Wahlkampf ist, schießt man beinahe sogar Wölfe ab, die gar keine Problemwölfe sind. Grün? Wir? Im Leben nicht! Dass er nach der Wahl aber nicht mit einem Bündnis Cem Özdemir oder der Schwarze-Plakat-Partei, sondern eben mit den Grünen arbeiten muss, geht irgendwie unter. Schlimmer, es soll wohl untergehen.

Auch Manuel Hagel kann sich nur bedingt daran erinnern, in welcher Partei er ist. Zunächst mal verspricht er einen Neuanfang, so als sei die CDU in Baden-Württemberg zehn Jahre in der Opposition gewesen statt in der Regierung. Für ein gebührenfreies Kita-Jahr ist er offen und er will einen Transformationsfonds des Landes und Innovationsregionen und alles klingt prima und fast wie aus meinem Zukunftsplan. Nur – war es nicht die CDU, die alle diese Vorschläge zehn Jahre lang vehement abgelehnt hat?

Waren es nicht Grüne und CDU, die zehn Jahre lang nie die Hände aus den Hosentaschen nahmen? Die Geld nicht einmal in den wirklich guten Jahren ausgeben wollten? Die der SPD bei allen Vorschlägen für dringende Investitionen immer den Vogel zeigten? Jetzt im Wahlkampf hört man plötzlich nichts mehr von schwarzen Nullen, da soll endlich angepackt werden im Land. Genau von denen, die zehn Jahre lang rein gar nichts anpacken wollten?

Auch andere Parteien irrlichtern. Die FDP schließt jeden Tag neue und andere Regierungsbeteiligungen mit demokratischen Parteien aus, während noch nicht einmal klar ist, ob die Partei es überhaupt noch einmal in den Landtag schafft. Die Linkspartei will verstaatlichte Autofirmen und die Enteignung von Wohnungseigentümern, wofür Baden-Württemberg aber erstmal eine Volksrepublik werden müsste. Und die AfD muss offensichtlich sowieso keine Politik mehr anbieten, sie muss nur noch existieren, um bestimmte Stimmen zu bekommen. Und sie existiert, leider.

Zurück zum Anfang: Soll ich im Wahlkampf auch so geschmeidig werden wie die beiden von den Medien erkorenen Zweikämpfer? Soll ich auch anfangen, Dinge zu versprechen, die die SPD nicht hält und gar nicht halten will?

Nein, da ist Ende Gelände. Bei mir, und auch bei uns allen in der SPD. Wir wollen das nicht und wir können es nicht. Und wir haben auch gar keine Zeit, das Blaue vom Himmel zu versprechen, denn wir haben sehr viel über das zu sagen, was wir wirklich wollen und auch wirklich bewegen werden, wenn wir in Regierungsverantwortung kommen. Das ist eine ganze Menge, und wir müssen es noch vielen Leuten sagen. Danke allen, die dabei helfen!

Häusle of Cards

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Häusle of Cards

Baden-Württembergs Landesregierungen gönnen sich bekanntlich eine Amtszeit von fünf Jahren, ein Jahr mehr als die Bundesregierung. Es ist also ein Zufall, wenn man zur selben Zeit Halbzeitbilanz ziehen kann. In diesem Jahr ist es mal wieder so.

Über die Halbzeitbilanz der Bundesregierung wurde viel berichtet: Eine unabhängige Studie hat belegt, dass die Ampel aus SPD, Grünen und FDP nach zwei Jahren fast zwei Drittel ihrer Vorhaben umgesetzt hat oder mitten in der Umsetzung ist. Für die nächsten beiden Jahre bleiben 50 Prozent der Zeit für 30 Prozent der Aufgaben, das ist nicht schlecht. Selbst die nüchterne Studie belegt aber auch, dass das öffentliche Bild der Ampel zu sehr durch ständige, offene Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten geprägt ist, den berühmten „Ampel-Knatsch“. Die Leistungen sind also viel besser als der Ruf.

In Baden-Württemberg war es lange umgekehrt: Grün-Schwarz lobte sich für Harmonie, doch diese Harmonie entstand nur bei völligem Verzicht auf politisches Handeln. Wer nicht vom Fleck kommt, muss sich auch nicht um die Richtung streiten. Und im Südwesten verfahren die Medien mit der Regierung weit milder als in Berlin. Wenn der Ministerpräsident sagt, es laufe doch alles gut, setzt man da nur ungern ein Fragezeichen dahinter.

An der Halbzeitbilanz in Stuttgart fiel vor allem auf, wie sehr die Landesregierung ihr auszuweichen suchte. Keine großen Termine, die beiden Fraktionschefs gingen zur Sicherheit in den Sommerferien ans Mikro. Was soll man auch sagen? 1000 neue Windräder hat die Regierung Kretschmann versprochen. Heuer wurden nur eine Handvoll gebaut, und genauso viele wurden abgerissen. Unterm Strich eine solide Null. Und genauso sieht es unterm Strich fast überall aus.

Und mit der Harmonie ist es auch nicht mehr weit her: CDU-Windraftverhinderungsminister Hauk sägt selbst am halbierten Windkraftziel (die Grünen jubeln jetzt darüber, dass statt 1000 Windrädern noch rund 400 geplant seien), ist gegen die Erweiterung des Nationalparks. Und während sich der vom Polizeiskandal geschüttelte Thomas Strobl mehr und mehr in den Ruhestand verabschiedet, schießt CDU-Chef Manuel Hagel fast schon wöchentlich quer: Nein, einen grünen Amtsnachfolger wird die CDU nicht wählen. Nein, in der Flüchtlingspolitik braucht es eine „180-Grad-Wende“ (was für ein Begriff!), nein, nein, nein…

Wir erleben das Auslaufen einer fatalen Koalition des Wollens und Wartens. Die Grünen wollten viel, aber sie warten bis heute drauf, dass es von alleine vom Himmel fällt. Und die CDU will nicht, was die Grünen wollen, und sie weiß, dass sie nur abwarten muss, bis Winfried Kretschmann in die Rente geht. Schon zur Halbzeit fangen Grüne und CDU an, „Häusle of Cards“ zu spielen. Nachfolgedebatten, Strategiespielchen, viel zu früher Wahlkampf.

Unser Land hat etwas ganz Anderes nötig: Nach sieben Jahren tatenloser Landesregierungen fährt Baden-Württemberg an vielen Stellen nur noch auf der Felge. Andere Länder haben gehandelt, sie haben die besseren Schulen, mehr Kita-Plätze (ohne Gebühr), mehr sozialen Wohnungsbau. Sie helfen ihrer Wirtschaft besser durch die Transformation, sie werben erfolgreicher um Fachkräfte und um neue Investoren. Diese Landesregierungen sind am MACHEN. Grün-Schwarz ist nur an der MACHT.

 

Lange Leitung…

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Lange Leitung…

Als ich noch in die Schule ging, waren die Witze auch nicht besser als heute. Ein alter Spruch von Leuten, die einen um Zigaretten anschnorren wollten, ging so: „Sag mal, hast Du mir eine Kippe? Meine Schachtel ist noch im Automaten…“ Hö hö.

Wie komme ich drauf? Der schwache Witz vom Schnorrer, der die unbezahlte Schachtel im Automat mal eben zu seiner erklärt, wird sich dieser Tage in der Halbzeitbilanz der grün-schwarzen Landesregierung wiederfinden. Weiterlesen