Stochblog

Wofür wir stehen

Es passiert was in diesem Land. Da sind Leute, die sich treffen und darüber beraten, wie bald 80 Jahre nach dem Ende der Nazizeit in Deutschland wieder Menschen selektiert werden sollen. Nach ihrer Herkunft, ihrer Religion, nach der sexuellen Orientierung, nach dem Aussahen, nach ihrem Handicap oder wegen was auch immer.

Da sind Leute, die meinen mit „Volk“ nicht alle Menschen in diesem Land, die meinen nicht einmal die, die einen deutschen Pass haben. Die sagen „Volk“, aber sie denken völkisch. Und rassistisch. Das macht vielen Leuten Angst, und das kann ich gut verstehen.

Denn genau das hatten wir vor 1945: Eine Ausgrenzung unter deutschen Staatsbürgern, eine Diskriminierung, eine Entrechtung. Es kam zu Verfolgung, zu Vertreibung und Ermordung Andersdenkender, Andersgläubiger. Das wollen wir nie wieder haben.

Und nie wieder heißt jetzt.

Demokratie ist nicht selbstverständlich. Auf einmal kann sie weg sein. Wir haben das Sterben der Demokratie schon erlebt in diesem Land, und wir haben es in anderen Ländern beobachten müssen.

In diesen Tagen stehen Millionen von Menschen auf, überall in Deutschland. Und sie stellen sich vor unsere Demokratie, vor unsere Freiheit, vor unsere Menschenrechte, die für ALLE gelten. Ich bin wahnsinnig dankbar dafür.

Und zusammen mit vielen, vielen anderen Leuten hier im Land bringe ich gerade ein Bündnis auf den Weg. Ein Bündnis für Demokratie und Menschenrechte, mit Kräften aus der Politik und aus der Wirtschaft, aus den Kirchen und Religionen, den Sozialverbänden, aus dem Sport und der Kultur.

Es geht da nicht um Parteipolitik, sondern um Grundsätze. Bei aller Debatte und bei aller Diskussion wollen wir zeigen, dass wir für unsere Menschenrechte einstehen. Wir dürfen unsere Freiheit, unsere Demokratie nicht nur genießen, sie für selbstverständlich halten. Wir müssen sie auch erhalten. Und sie gegen ihre Feinde verteidigen.

Vielfalt kann anstrengend sein, eine Herausforderung. Aber Vielfalt ist für unser Land extrem wichtig. Die vielen Mitbürgerinnen und Mitbürger mit ihren Einwanderungsgeschichten und ihrem Beitrag für unser Land verdienen Anerkennung – von allen. Rassismus zerstört unsere offene Gesellschaft, unseren Wohlstand, unsere Zukunft. Wir wollen diese Vielfalt, denn das Gegenteil von Vielfalt ist Einfalt.

Dieses Jahr wird unser Grundgesetz 75 Jahre alt. Und das Grundgesetz beginnt mit einem ganz wichtigen Satz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ An diesem Satz wollen wir immer festhalten. Auf diesen Satz sollen sich alle Menschen in Deutschland immer verlassen können. Für diesen Satz stehen wir. Und für diesen Satz kämpfen wir.

Danke, dass Ihr mitmacht.