Landtagsfraktion

Dunkle Wolken vor dem Regenbogen: Queeres Leben in der Pandemie

Andreas Stoch: „Ein bunter Schlips allein reicht nicht!“

 Florian Wahl: „Queere Menschen wurden im Corona-Management mitgemeint, aber nicht mitgedacht.“

Fünf Tage vor der zentralen CSD-Kundgebung in Stuttgart hat die SPD verschiedene Akteur*innen der Regenbogen-Community im Landtag von Baden-Württemberg zusammengebracht. Interessensvertreter*innen, LGBTIQ+-Aktivist*innen und Verbandsmitglieder diskutierten mit SPD-Abgeordneten über rechtliche Dimensionen, queeres (Er-)leben in Zeiten der Pandemie und die Verstärkung bestehender Diskriminierungen durch Corona.

SPD-Fraktionschef und Gastgeber Andreas Stoch: „Die Pandemie hat viel Nachholbedarf an den Tag gebracht: Wir diskutieren Schwächen und Unzulänglichkeiten in unserem Schulsystem, der Gesundheitsversorgung oder der Wirtschaft. Darüber hinaus haben Corona und die Folgen aber auch viele bestehende Ungleichheiten verstärkt und verschärft. Ganz besonders trifft dies auch auf queeres Leben in unserem Land zu. Denn zu allen Einschränkungen kamen hier noch weitere hinzu, die speziell und ausschließlich queere Menschen betroffen haben. Und gerade diese Folgen der Pandemie wurden bisher von der Politik noch kaum berücksichtigt.“

„Im Corona-Krisenmanagement des Landes wurden queere Menschen mitgemeint, aber nicht mitgedacht,“ ergänzte Florian Wahl, queerpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. In den ersten Corona-Verordnungen seien klassische Familienmodelle im Fokus der Überlegungen gestanden. Wahlverwandtschaften oder Paare, die nicht in einem Haushalt leben, wurden zunächst nicht hinreichend berücksichtigt. „Schutzräume für queere Menschen, die sogenannten ,safe spaces‘, gingen verloren. Das war besonders für Jugendliche und queere Menschen mit Migrationshintergrund ein großes Problem“, so SPD-Fraktionsvize Dr. Dorothea Kliche-Behnke. Auch die ohnehin desolate Versorgungssituation mit Therapeut*innen und Sozialberatungsangeboten sei während der Pandemie verstärkt worden. So mussten etwa viele Trans*personen Hormontherapien unterbrechen und Operationen verschieben.

Alfonso Pantisano, Mitglied im Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverband Deutschlands, betonte, dass bestehende Diskriminierungen in der Krise verstärkt wurden: „Der Regenbogen ist bei uns zuhause, die Homophobie aber leider auch. Verbale und körperliche Diskriminierung queerer Menschen ist eine Sorge, die unter Corona leider größer geworden ist. Hasskriminalität nimmt zu, das dürfen wir nicht zulassen.“ SPD-Fraktionschef Stoch fügte hinzu: „LGBTIQ+-Rechte sind Menschenrechte, gerade wenn dies in manchen Ländern in Frage gestellt wird. Gleichzeitig dürfen wir unsere Situation hier nicht schönreden. Es reicht nicht aus, sich einen bunten Schlips umzubinden! Bei Gesten und Symbolen darf es nicht bleiben, es braucht strukturelle Veränderungen.“

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